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Glasglocken-Köpfe und andere Porträts.

Lee Miller und die surrealistische Photographie.


Lee Miller und die Aktualität der surrealistischen Fotografie

Gegensätze, Widersprüche, Aporien

Surrealismus - das steht für Skandal, Empörung, Schock.

„Die Provokation war sogar eine wesentliche Daseinsberechtigung dieser Bewegung." erinnert sich Mitbegründer Philippe Soupault:

Tristan Tzara gelang ein wirklicher Skandal als er vorschlug, während der Versammlung ein Gedicht zu verfassen, aus Worten, die auf Papierschnitzeln geschrieben und in einem Hut zusammengeworfen wurden. [...] Wir waren [...] von dem Resultat entzückt, denn dieser beginnende Skandal machte uns endgültig klar, dass wir systematisch Skandal erregen mussten, wenn wir unsere Empörung ausdrücken und verbreiten wollten. [...] Schimpfworte und faule Eier, Tomaten und Fleischreste wurden uns in reichlichen Mengen an den Kopf geworfen, wir wurden in allen Tonarten beschimpft, was uns überzeugte, dass wir auf gutem Wege waren.

Auf „gutem Wege"? - Wohin? - Zu welchem Ziel?

Über den Surrealismus zu reden, heißt, über Freiheit - mehr noch über Befreiung, also das Sich-Ereignen von Freiheit zu reden. Über die Freiheit in Aktion.

Befreiung? - Wovon? - Wofür?

Befreiung von der Bourgeoisie, der Dekadenz, den bürgerlichen Normen und Konventionen, von den Fesseln der Vernunft, sexuelle Freiheit, emotionale Freiheit, künstlerische Freiheit, gedankliche Freiheit, Freiheit der Vorstellungskraft...

Im Ersten Manifest des Surrealismus schreibt André Breton 1924:

Einzig das Wort Freiheit vermag mich noch zu begeistern. Ich halte es für geeignet, die alte Flamme, den Fanatismus des Menschen für alle Zeiten zu erhalten. [...] Unter so viel ererbter Ungnade bleibt uns, wie man zugeben muß, die größte Freiheit, die des Geistes, doch gewährt. Es liegt an uns, sie nicht leichtfertig zu vertun. Zuzulassen, daß die Imagination versklavt wird, [...]. Einzig die Imagination zeigt mir, was sein kann, [...] Wo beginnt [die Imagination] Trug zu werden, und wo ist der Geist nicht mehr zuverlässig? Ist für den Geist die Möglichkeit, sich zu irren, nicht vielmehr die Zufälligkeit, richtig zu denken?

Das Irren als die zufällige Möglichkeit, richtig zu denken?

 


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