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Ankündigung einer Ausstellung zur deutsch-türkischen Literatur

Pide, Pils und Prosa


Eine Ausstellung zur aktuellen ‚deutsch-türkischen' Gegenwartsliteratur

Eine Ausstellung zur ‚deutsch-türkischen' Gegenwartsliteratur ist nicht gerade ein unumstrittenes Unterfangen. Denn worauf zielt die Kategorie ‚deutsch-türkisch'? Was für ein Erkenntnisinteresse ist mit dieser Kategorialisierung verbunden? Welche Identitätskonstruktion werden gestützt und gestärkt?

Folglich produziert ein solches Ausstellungsprojekt auch immer ein Dilemma, denn egal ob sie „türkisch-deutsche/deutsch-türkische Gegenwartsliteratur", „deutsche Literatur türkischstämmiger AutorInnen", die „‚andere' deutsche Literatur" in ihrem Titel führt:

Einerseits wird „Herkunft" als maßgebliche Kategorie suggeriert und Gruppenzugehörigkeiten werden konstruiert, andererseits zeigt die Ausstellung selbst, dass die Texte sich eindeutigen Zuschreibungsstrategien widersetzen. Wenn die Zuschreibung ‚deutsch-türkisch' hier dennoch verwendet wird, so deshalb um zunächst auf eine geläufige Lesart zu verweisen und diese zu hinterfragen. Indem Autoren und Autorinnen mit türkischem Migrationshintergrund vorgestellt werden, deren Texte in deutscher Sprache erschienen sind, folgt die Ausstellung einerseits einer konventionalisierten Wahrnehmung.

Zugleich wird dieser Ansatz unterhöhlt, indem die Heterogenität der jeweiligen Schreibverfahren herausgestellt wird.

Die Zuschreibung ‚deutsch-türkisch Gegenwartsliteratur' versteht sich folglich als ein Provisorium, das wie jede andere Kategorialisierung verworfen werden kann - und deshalb im Rahmen der Ausstellung in Anführungszeichen gesetzt wird

Im Zentrum stehen Autorinnen und Autoren, deren Texte seit den 90er-Jahren veröffentlicht worden sind. Standen in den 70er-Jahren zumeist Fremdsein, Isolation, Heimatverlust und Sehnsucht im Mittelpunk der literarischen Auseinandersetzung, so kommt es seit den 90er-Jahren zu einer Sprengung dieses Themenspektrums, zur Fortschreibung vorgefundener literarischer Traditionen und zum Aufbegehren gegen diese sowie zu einer sprachexperimentellen Erweiterung der deutschen Sprache. Dennoch ist zu betonen, dass es sich bei der zeitlichen Eingrenzung lediglich um einen Orientierungspunkt handelt. Viele Autoren hatten bereits in den 80ern ihr literarisches Debüt, wie z. B. Akif Pirincci und Emine Sevgi Özdamar, erfuhren jedoch in den 90er Jahren eine verstärkte Rezeption.

Bei Aysel Özakin wurde die zeitliche Begrenzung bewusst zugunsten der literarischen Qualität ihrer Arbeiten durchbrochen. Die Ausstellung eröffnet trotz der Konzentration auf Autorinnen und Autoren, die seit den 90er-Jahren eine verstärkte Rezeption erfuhren, auch eine diachrone Perspektive. Diese wird unter anderem dadurch gefördert, dass ein Autor wie Yüksel Pazarkaya, der bereits 1958 nach Deutschland immigrierte und die sog. ‚Migrationsliteratur' mitprägte mit neueren Veröffentlichungen („Ich und die Rose", 2002) vorgestellt wird. Andererseits ist die jüngste Generation von Autorinnen und Autoren unter anderem mit Selim Özdogan vertreten, der 1995 seinen literarischen Durchbruch mit seinem Roman „Es ist so einsam im Sattel seit das Pferd tot ist" hatte. Ebenso unterschiedlich wie die vorgestellten Autorinnen und Autoren mit ihren Werken ist auch das präsentierte Themenspektrum, das von Satire, Kriminalliteratur bis hin zu Romanen reicht. Die Ausstellung nimmt neun Autorinnen und Autoren ins Blickfeld, beansprucht hierbei allerdings keinerlei Vollständigkeit. So fehlen bekannte z. B. Autorinnen und Autoren wie Zehra Cirak, Yade Kara, Zafer Senocak - ein sicherlich großes Manko. Vorgestellt werden folgende Autorinnen und Autoren:

Renan Demirkan

Osman Engin

Emine Sevgi Özdamar

Selim Özdogan

Aysel Özakin

Hülya Özkan

Yüksel Parzakaya

Akif Pirincci

Feridun Zaimoglu

 

Konzipiert und organisiert wird die Ausstellung von Studierenden des Seminars „Kulturmanagement" sowie von Kirsten Prinz, Institut für Komparatistik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Bei der Konzeption der Ausstellung wurde nicht nur die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern auch die Frage der Präsentation von Autorinnen und Autoren und deren Texten, jenseits einer typischen ‚Vitrinenenausstellung' berücksichtigt. Entstanden ist eine Ausstellung, die facettenreich (u.a. mit Skulpturen, Videos) die einzelnen Autorinnen und Autoren präsentiert.


Ort: Philosophikum I der Justus-Liebig-Universität, Otto-Behaghel-Str. 10, 35394 Gießen

Zeit: 28.06.07 bis 19.07.07, Die Ausstellung wird am 27.07.07 eröffnet und von Lesungen begleitet. Das aktuelle Veranstaltungsprogramm finden Sie ab Anfang Juni auf der Website der Komparatistik oder über den Veranstaltungskalender „400 Jahre Universität Gießen".

Bei weiteren Fragen können Sie gerne Kontakt aufnehmen:

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Kirsten Prinz
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