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Narrative Konstruktion, Bild und Photographie in Jonathan Safran Foers Extremely Loud & Incredibly Close

 


1. Die Erzähl- und Textkonstruktion von Extremely Loud & Incredibly Close

 


In Jonathan Safran Foers bebildertem Roman Extremely Loud & Incredibly Close (2005) erzählt das neunjährige Wunderkind Oskar von seiner Suche nach dem Schloss, das zu jenem Schlüssel passt, welchen er im Wandschrank seines Vaters gefunden hat. Auslöser für die Suche ist die Trauer um den Vater Thomas Schell (Junior), der durch den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 stirbt. Neben diesem main plot wird auch die Geschichte des Großvaters Thomas Schell (Senior) und der Großmutter Oskars erzählt, die nach der Bombardierung Dresdens nach New York City emigrieren.

Im Folgenden soll näher untersucht werden, inwiefern in Extremely Loud & Incredibly Close auf der erzählerischen und vermittelnden Ebene - unter besonderer Berücksichtigung der Abbildungen - ästhetische und textuelle Konstruktionsprozesse thematisiert bzw. reflektiert werden. Zunächst sind dabei einige für die textimmanente Ebene relevante Aspekte hinsichtlich des Romans als erzählerischer Konstruktion herauszuarbeiten. Anschließend geht es darum, die zahlreichen Abbildungen hinsichtlich ihrer Funktion und ihrer Beteiligung am Konstruktionsspiel des Romans zu untersuchen. Dabei bietet es sich an, die drei einleitenden Bilder näher zu betrachten, in denen angesichts ihrer prominenten Stellung innerhalb des Romans entscheidende Hinweise auf die Programmatik des Romans zu erwarten sind. Schließlich wäre der Sinn und Zweck der Verwendung von Bildern in jenem Roman zu erörtern, und zwar insbesondere im Zusammenhang mit medienwissenschaftlichen Analysen im Rahmen der Debatte um die Bedeutung des Medienereignisses 11. September erörtert werden.

Jeder Roman kann in gewisser Weise als Resultat eines Konstruktionsprozesses betrachtet werden, der einerseits durch den Autor vorgenommen wurde und andererseits im Vollzug der Lektüre durch die Lesenden unternommen wird (vgl. Iser 1974). Sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der vermittelnden Ebene wird auch in Extremely Loud & Incredibly Close ein Konstruktionsvorgang betrieben, der aus verschiedenen, noch zu benennenden Gründen teilweise als ästhetisches Konstrukt erkennbar ist - mehr noch: im Roman wird das Konstrukthafte der Erzählung und der Form an einigen Stellen geradezu ausgestellt bzw. besonders profiliert, jedoch ohne dabei den narrativen Inhalt der Erzählung selbst zu verdrängen, wie es etwa in der metafiktionalen Erzählung Lost in the Funhouse von John Barth der Fall zu sein scheint.

 

 


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