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Marlene Streeruwitz' Roman Lisa's Liebe als hybrides Medium

Die Formen und Funktionen seiner Fotografien in (Ko-)Relation zu seinen sprachlichen Elementen


Der 1997 erschienene Roman Lisa's Liebe ist der zweite Roman der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz. Die Protagonistin des Romans ist die 39-jährige Volksschullehrerin Lisa Liebich, deren Leben „unspektakulär zwischen Lehrberuf, peinlich lieblosen Affären und Bildungsreisen" dahin verläuft.

Lisas Geschichte wird jedoch nicht nur mittels Sprache kommuniziert, sondern auch durch gut 120 Fotografien, deren vielfältige Funktionen weit über die Illustration der Handlung hinausgehen. Der Fotoroman Lisa's Liebe ist ein hybrides Medium, in welchem die beiden Medien Sprache und Fotografie nicht nur nebeneinander auftreten, sondern sich konzeptionell miteinander verknüpfen. Um die Bedeutungsdimensionen des Romans näher erschließen zu können, soll hier untersucht werden, welche Funktionen die Fotografien innerhalb des Romans erfüllen und inwieweit sie das Gesamtkonzept und die Deutung des Romans mitprägen.

Das wohl augenfälligste Merkmal an Marlene Streeruwitz Werk ist dessen Nähe zum Trivialroman. Lisa's Liebe ist mit einem reduzierten, fast statischem Vokabular in einer stark vereinfachten Sprache geschrieben, der literarische Text besteht fast ausschließlich aus der Aneinanderreihung von Hauptsätzen, die beschreiben, was Lisa macht und tut. „Lisa war Lehrerin" , „Lisa hatte sich beim Schifahren das Knie verletzt." , „Lisa hatte Hofrat Schmarantzer ihre Telefonnummer aufschreiben müssen." Auch der falsche Genitiv im Titel Lisa's Liebe verweist auf das Triviale des Groschenromans. Diese banale Sprache ist Teil eines Gesamtkonzepts, das einen Angriff auf den Trivialroman und auf die Gleichsetzung des Weiblichen mit dem Trivialen darstellt. Dieses Konzept funktioniert sowohl auf sprachlicher als auch auf inhaltlicher und „optischer" Ebene: Das Layout von Streeruwitz' Roman ähnelt in seiner Aufmachung dem Groschenroman, es greift die gestalterischen Aspekte der Trivialgenres Liebes-, Heimat- und Fotoroman auf. Außerdem ist Streeruwitz Roman in drei Folgen unterteilt, die jeweils den Umfang von trivialen Liebesromanen in Heftform besitzen. Die Seitenzahlen sind mit kleinen Blümchen verziert, ebenso wie der erste Buchstabe der Kapitel, immer das L aus dem Namen Lisa, in großer geschwungener Schreibschrift gedruckt wurde. Diese schmückenden Beigaben zitieren eine romantische Atmosphäre, die im Roman jedoch niemals auftreten wird.

Das Deckblatt der ersten Folge zeigt ein Jugendfoto der Autorin. Im Hintergrund ist die Wiese zu sehen, die im Roman selbst häufig als Fotomotiv dient.

 

 


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