Komparatistik Online

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

„Language surrounds Chaos”

Gelingen und Scheitern von Susan Howes dichterischen Inszenierungen von Geschichte und Sprache


1.

Susan Howe, die seit den frühen 1970er Jahren als Dichterin präsent ist, gehört zu den führenden Vertreterinnen einer amerikanischen Gegenwartslyrik, die einen experimentellen Umgang mit Sprache in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Hierbei zeigt sie besonderes Interesse an Geschichte und ihren sprachlichen Repräsentationsmöglichkeiten in historischen Dokumenten und literarischen Texten. In collagenartigen, oftmals zwischen Lyrik und Prosa pendelnden Texten versucht sie Sprache und Geschichte in eine größtmögliche Spannung zu bringen, da sie davon ausgeht, dass jede sprachliche Repräsentation von Geschichte unzulänglich bleiben muss. Mittels einer gezielten Strategie der Defragmentierung versucht Howe diese Spannung in ihren Texten zu inszenieren, wobei sie oftmals ‚fremde‘ Texte - seien es historische Dokumente oder Texte der Weltliteratur - als Ausgangspunkt für ihre eigenen nimmt. Sprache und Literatur werden von Howe als ein intertextuelles Zusammenspiel von Texten aufgefasst, dessen zuweilen undurchdringlich scheinende Komplexität präzise ihrem Geschichtsbild korrespondiert. Sie versteht Geschichte keineswegs als linearen Prozess, sondern als eine komplexe Bewegung, deren vermeintliche Linearität lediglich über die sprachliche Darstellung suggeriert wird.

Es ist dieser Zusammenhang, den Howe immer wieder in ihren Gedichten, aber auch in ihren essayistischen Arbeiten reflektiert. Ihr Geschichts- und Sprachverständnis, wie es in den Essays und Gedichten zum Ausdruck kommt, zeigt dabei einerseits Bezüge zur Entstehungszeit ihrer Texte in den 1970er und 1980er Jahren, insbesondere zu den philosophischen Ideen der Postmoderne. Andererseits ist der Einfluss Michels Foucaults zu spüren, dessen Spuren sich bis in ihr Vokabular verfolgen lassen. Vor allem die Geschichtskritik, die Foucault in seinem Essay „Nietzsche, la généalogie, l'histoire" vornimmt, zeigt deutliche Parallelen zu Howes eigenem Geschichtsverständnis.

 

 


Bei Interesse finden Sie den Volltext des Artikels als PDF-Datei im Download-Fenster auf der rechten Seite.