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Namen in Literatur, Kultur, Medien.

Kulturwissenschaftliche, sozialphilosophische und literaturwissenschaftliche Implikationen


1. Leitaspekte und Fragerichtungen einer interdisziplinären
kulturwissenschaftlichen Namensforschung



„Drum verhehle mir nicht durch schlauersonnene Worte,
Was ich jetzo dich frage …
Sage, mit welchem Namen benennen dich Vater und Mutter,
Und die Bürger der Stadt, und welche rings dich umwohnen?
Denn ganz namenlos bleibt doch unter den Sterblichen niemand,
Vornehm oder gering, wer einmal von Menschen gezeugt ward,
sondern man nennet jeden, sobald ihn die Mutter geboren.“  

Der zitierte Imperativ, mit dem der Phäakenkönig in Homers Odyssee den ihm noch unbekannten Fremdling auffordert, seinen Namen und damit seine Identität preiszugeben, zeigt ein Grundmotiv und eine leitende Fra¬gerichtung der in diesem Heft versammelten Beiträge an: Dem Namen  kommt in der menschlichen und gesellschaftlichen Rede eine grundle¬gende, konstitutive Bedeutung zu: Es ist der Name, der sowohl die je spezifische Eigenheit seines Trägers indiziert als auch seine Stellung und seine Beziehungen zu anderen im Bereich des Sozialen allererst definiert.
Diese in doppelter Hinsicht begründende Rolle des Namens haben, aus einer philosophischen bzw. kulturwissenschaftlichen Sicht, in neuerer Zeit vor allem die Untersuchungen von Tilman Borsche  und Matthias Waltz dargelegt. Während Borsche aus philosophischer Sicht die erzeugende, die Gegenstände des Erkennens, Denkens und Sprechens hervorbringende und bestimmende Kraft des Namens betont, gilt Waltz’ Augenmerk dem-gegenüber stärker der gesellschaftlichen und institutionellen Wirkungs¬weise des Namens: Dabei hält er die Rolle der Namen für so grundlegend, dass sie – über eine bloß nachträgliche Beschreibung des Gegebenen weit hinaus gehend – Kategorisierungen hervorbringen, die die Formen unse¬res gesellschaftlichen Sprechens und Handelns weitreichend bestimmen.

 


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