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„…jeder Name bringt gewisse Verpflichtungen mit sich“

Intertextualität, Selbstreflexion und Namenspoetik bei Vladimir Nabokov


„Lolita, light of my life, fire of my loins. My sin, my soul. Lo-lee-ta: the tip of the tongue taking a trip of three steps down the palate to tap, at three, on the teeth. Lo. Lee. Ta. She was Lo, plain Lo, in the morning, standing four feet ten in one sock. She was Lola in slacks. She was Dolly at school. She was Dolores on the dotted line. But in my arms she was always Lolita.“

Derart sprach- und insbesondere namenverliebt beginnt Vladimir Nabo¬kovs vielleicht bekanntestes Werk, in dem der Erzähler Humbert Humbert, ein in Frankreich geborener Literaturwissenschaftler, den Verlauf seiner Beziehung zu der Tochter seiner amerikanischen Vermieterin, dem zwölf¬jährigen Mädchen Dolores Haze oder – wie er sie leidenschaftlich tauft – Lolita, schildert. Gemeinsam begibt sich das als Vater und Tochter ge¬tarnte Paar nach dem Tod von Dolores’ Mutter auf eine bizarre Odyssee durch die Motel-Welt Amerikas, bis Dolores bzw. Lolita Humbert Humbert für einen ebenfalls viel älteren Rivalen verlässt, den er in einem grotesken Racheakt schließlich tötet. Dass der Roman ein Welterfolg werden sollte, war zunächst jedoch mehr als ungewiss.
Lolita erschien, nachdem sich vier amerikanische Verlage geweigert hatten den provokativen Roman zu drucken, erstmals 1955 bei der Pariser Olympia Press, die – abgesehen von wenigen ambitionierten Publikationen u.a. Henry Millers oder Samuel Becketts – vor allem für Texte mit porno¬graphischen Inhalten und Titel wie The Sex Life of Robinson Crusoe mehr berüchtigt als berühmt war. Lolita musste sich mit heftiger Kritik auseinandersetzen und fiel der Zensur zum Opfer und erst ein Freispruch von Pornographievorwürfen in einer Debatte des Englischen Parlaments ermöglichte schließlich, dass englische, amerikanische und französische Ausgaben ungehindert verlegt werden konnten. In den folgenden fünf Jahren wurde der Roman in mehr als 20 Sprachen übersetzt und avan¬cierte zum internationalen Bestseller und modernen Klassiker.
In einem Interview beschrieb Nabokov Lolita als einen besonderen Lieb¬ling unter seinen Texten:

„It was my most difficult book – the book that treated of a theme which was so distant, so remote, from my own emotional life that it gave me a special pleasure to use my combinational talent to make it real.“

 


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