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Die Namen des Don Quijote.

Zur Namensproblematik in Cervantes’ Roman und anderen literarischen Texten

„So manche Tiere haben Namen,
nicht wissend, wie sie dazu kamen.
Da hat’s das Nashorn gut, es weiß,
daß ganz zu Recht es Nashorn heiß’.“

Das tierische Problem, das Eugen Roth hier in seinem Gedicht zur Sprache bringt, berührt Grundfragen der Onomastik. Es ist ein Problem, das auch die Literaturwissenschaft beschäftigt. Namen stehen niemals ohne Grund. Namen haben nahezu immer eine Funktion.
Wer kennt nicht das Märchen vom Rumpelstilzchen, in welchem die Königin ihr Kind nur retten kann, indem sie den Namen des sonderbaren Männchens nennt, in dessen Schuld sie steht?

„Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt, und dachte gar nicht mehr an das Männchen, da trat es in ihre Kammer und sprach: »Nun gib mir, was du versprochen hast«. Die Königin erschrak, und bot dem Männ¬chen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr das Kind lassen wollte, aber das Männchen sprach: »Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alle Schätze der Welt«. Da fing die Königin so an zu jammern und zu wei¬nen, daß das Männchen Mitleiden mit ihr hatte, und sprach: »Drei Tage will ich dir Zeit lassen, wenn du bis dahin meinen Namen weißt, so sollst du dein Kind behalten.“

Der Name ist hier Schlüssel zur Erlösung. Das dämonisch anmutende Herumtollen des Männchens ums Feuer und der furchterregend klingende Spruch:

„Heute back ich,
Morgen brau ich,
Übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
Ach, wie gut ist, daß niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“

passen ohne weiteres auf die in Wahnsinn und Selbstzerstörung endende Handlung des bösartigen Kleinen, der sich vor Zorn darüber, dass die Kö¬nigin seinen Namen doch noch erfahren hat, mit einem Fuß in den Boden rammt und anschließend selbst in zwei Stücke zerreißt.

 


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