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Die perfekte Frau im perfekten Körper

Villiers de l’Isle-Adam und Adolfo Bioy Casares


„Ah! qui m’ôtera cette âme de ce corps!“ , ruft der Held von Auguste de Villiers de l’Isle-Adams Eve future verzweifelt, da seine Geliebte zwar op¬tisch seinen Ansprüchen im höchsten Maße entspricht, ihr Innenleben ihn aber schier zur Verzweiflung bringt. Dieser Ausruf bildet das Leitmotiv des Romans und wird viermal in unverän¬derter Form an jeweils zentraler Stelle ausge¬sprochen (S. 98, 106, 157 und 224), womit deutlich unter-strichen wird, welches The¬mas sich Villiers in seinem Roman an¬nahm: Dem Wunsch eines Mannes, eine äußerlich per¬fekte Frau mit einer Seele auszustatten, die ihm ebenso perfekt erscheint.
Dasselbe Thema wird rund hundert Jahre nach diesem bedeu-tendsten Roman des französi¬schen Symbolisten, der in seiner endgültigen Form 1886 veröffentlicht wurde,  erneut aufge¬grif¬fen und zwar vom Argentinier Adolfo Bioy Casares in seinem Roman Dormir al sol (1973), dessen Prota¬gonist auch nur vom Äußerlichen sei¬ner Frau fasziniert ist: „Yo me muero por su forma y su tamaño, por su piel rosada, por su pelo rubio, por sus manos finas, por su olor, y sobre todo, por sus ojos incomparables.“
Im folgenden Beitrag sollen diese zwei Romane analysiert werden, die beide die Frage ins Zen¬trum stellen, ob ein perfekter Körper mit einer perfekten Seele versehen werden kann. Zwar stammen die beiden Werke aus verschiede¬nen Epochen und Ländern, weisen aber viele Gemeinsam¬keiten auf und sind zudem aus litera¬rischer Hinsicht jeweils höchst interes¬sant.
Villiers und Bioy, die beide Meister der knappen Erzählung sind und sich insbesondere in der fantastischen Narrativik heimisch fühlen, haben mit diesen Werken ausgereifte Romane vor¬gelegt, die Elemente der Fan¬tastik mit denen der Science Fiction verbinden,  was sie für unser Thema so interessant macht, da jeweils wissenschaftlich anmutende Thesen für die Schaf¬fung der perfekten Frau gegeben werden. Zudem setzen beide das ernste Thema humorvoll und ironisch um, was als charakteristisch für ihren Stil zu bezeichnen ist und wor¬auf zurück¬zukom¬men sein wird. Somit bietet sich ein Vergleich zwischen Dormir al sol und Eve future an,  welcher gerade im deutschen Sprachraum eine besondere Berechtigung hat, da hier die¬sen beiden bedeutenden Autoren noch nicht das For-schungsinteresse gezollt wurde, das ihnen eigentlich zustünde. An Adolfo Bioy Casares gibt es zuletzt immerhin ein verstärk¬tes Inter¬esse fest-zustellen,  das auch Villiers de l’Isle-Adam zu wünschen wäre  und wozu dieser Arti¬kel einen bescheidenen Beitrag leisten möchte.

 


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