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Wechselspiel der Künste im Zeitalter des Barock

Zu: Barocke Bildkulturen. Dialog der Künste in Giovan Battista Marinos ‚Galeria‘, herausgegeben von Rainer Stillers und Christiane Kruse (Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, Band 49), Wiesbaden: Harrassowitz 2013, 488 Seiten.


Giovan Battista Marino entwickelte in seiner umfangreichen Gedichtsammlung La Galeria (1619) eine komplexe Bildtheorie sowie insbesondere eine Theorie der Kunstrezeption, die eine interdisziplinäre Annäherung aus kunst- und literaturwissenschaftlicher Perspektive geradezu herausfordern. Während Marinos Dichtung ebenso wie die Barocklyrik im Allgemeinen lange Zeit als minderwertige manieristische Spielerei im Zeichen des Niedergangs der hochgeschätzten Renaissancekultur Italiens verunglimpft wurden (so auch an prominenter Stelle in Hugo Friedrichs Epochen der italienischen Lyrik), schätzt man die Galeria heute als Glanzstück italienischer Barockliteratur. Sie zeugt von einem regen „Dialog der Künste“ – wie es im Untertitel des Bandes in Abgrenzung gegen den ‚Wettstreit der Künste‘ heißt: Bildende Kunst und Dichtung werden hier nicht als Konkurrenten gegeneinander ausgespielt, sondern in ihren für die Poetologie der Galeria relevanten Wechselbeziehungen in Augenschein genommen.

Das hochwertig gestaltete, knapp 500 Seiten umfassende Buch Barocke Bildkulturen versammelt insgesamt 15 Beiträge, die auf eine interdisziplinäre Tagung in der Wolfenbütteler Herzog August Bibliothek im März 2006 zurückgehen. Die Untersuchung der Bild-Text-Relationen sowie der spezifischen Wirkungsästhetik der Bildgedichte erfordere – so die Herausgeber in ihrer Einführung – einen „bildwissenschaftlichen und kulturanthropologischen Zugang“ (S. 7). Die Rezeption der teils real existierenden, teils erfundenen Bilder der Galeria sei einerseits „körperlich-emotional“, andererseits „geistig-rational“ (S. 8) geprägt und somit an eine komplexe Erkenntnisleistung des Rezipienten geknüpft. In diesem grundlegenden theoretischen Prospekt werden kunstwissenschaftliche Konzepte – wie etwa die Bildanthropologie Hans Beltings sowie die daran anknüpfenden medienanthropologischen Bildtheorien der Mitherausgeberin Christiane Kruse – für die Lyrik fruchtbar gemacht. Offensichtlich lassen sich avancierte bildwissenschaftliche Methoden auf das Medium Literatur anwenden, zumindest auf solche Literatur, in der es um Bilder geht. Mehr noch scheint Marino mit der Akzentuierung der Betrachterpsychologie während seines imaginären Rundgangs in der Bildergalerie hochinteressante medienanthropologische Befunde zu liefern.


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